Reges Interesse an kunterbunten Arbeiten
HORVÁTH-TAGE Murnauer Verein präsentiert Werkschau in der Pulpo Gallery im Obermarkt
Murnau – Glück, Freude und sehr viel Stolz leuchten in den Augen der Kunterbunt-Künstler, die ihre Werke vor Publikum in der Pulpo Gallery im Rahmen der 10. Murnauer Horváth-Tage präsentieren dürfen. Die Aufregung ist förmlich greifbar, als sich bei Sonnenschein der Ausstellungsraum am Obermarkt mit Besuchern aller Altersstufen schnell füllt. Die beeindruckenden, im Wortsinn kunterbunten Arbeiten stoßen auf reges Interesse, rufen Bewunderung hervor.
Seit über 30 Jahren organisiert der Murnauer Verein Kunterbunt inklusive Reisen, seit 2018 auch Kunstfreizeiten. Kunstinteressierte Menschen mit Behinderung, Kunststudenten und Betreuer treten in einen kreativen Dialog, entwickeln gemeinsam Werke. Die diesjährige neuntägige Kunstfreizeit im Klostergut Schlehdorf stand unter dem Vorzeichen, eine Ausstellung für die Horváth-Tage zu gestalten.
Katherina Zeifang, sie betreibt mit Ehemann Nico seit 2021 die Pulpo Gallery, betont: „Als Felix Balzer wegen der Ausstellung angefragt hat, stand für uns außer Frage, dass wir unsere Räume zur Verfügung stellen – weil wir uns wünschen, dass so eine tolle Organisation wie Kunterbunt eine Plattform bekommt und weil wir wissen, was für eine außergewöhnliche Qualität die Arbeiten haben, die diese Kunstfreizeiten hervorbringen.“
Balzer ist gerührt angesichts des Besucherandrangs, ein Ausdruck der Wertschätzung für die Arbeit von Kunterbunt, und bezeichnet die Option einer Ausstellung an so prominenter Stelle als „großes Geschenk“. Balzer studiert Malerei (und Medizin) in Wien, ist Sohn des Kunterbunt-Gründerehepaars Bärbel und Christian Balzer, seit Kindesbeinen in die Organisation involviert und längst Organisator der beliebten Kunstfreizeiten – zusammen mit Kostümbildnerin Anna Lechner.
Profund leitet Felix Balzer die Besucher durch die ausgestellten Werke. Er verweist auf die leuchtenden großformatigen Hinterglasbilder der Innsbrucker Künstlerin Ursula Vollath, auf bemalte Planen, Flaggen sowie eine Installation aus Transportkisten, Neonröhren, Lichterketten und Leuchten – Gemeinschaftsarbeiten der Kunstfreizeit 2025 im kollektiven Prozess mit den Brüsseler Künstlern Erro Rasker und Vincent Vergote. Eine umfassende Fotodokumentation vermittelt Eindrücke aus Kunstfreizeiten 2018 bis 2025. Im Hintergrund ist die musikunterlegte Videoarbeit „Kunterbunt Pizza“ zu sehen, die das fröhliche Miteinander der Kunterbunt-Gemeinschaft beim Pizzabacken demonstriert, ganz unter dem Eindruck von Horváths „Italienischer Nacht“. Ebenfalls im Raum zu hören sind poetische, hoffnungsvolle Verse: „Und die Leute werden sagen in fernen blauen Tagen…“. Sie wurden auf einem Zettel in der Manteltasche des 1938 in Paris vom Ast erschlagenen Horváth gefunden und dienten als philosophische Grundlage für Kunstfreizeit und Ausstellung.
Tiefgründiges Hinterglas-Triptychon
In einer improvisierten Horváth-Ecke nebst Schreibtisch, Literatur und Hörstation korrespondieren Hinterglasbilder mit gekonnt skizzierten Horváth-Porträts von Jonas Förster. Gegenüber fasziniert ein tiefgründiges Hinterglas-Triptychon von Josef Oswald. Er hat zudem sein Akkordeon dabei und ergänzt die Vernissage musikalisch. Alle Blicke zieht der großformatig gemalte „Wandteppich“ von Juliane Kreith auf sich, sie hält dort Eindrücke einer Kunstfreizeit mit Biennale-Besuch in Venedig in leuchtenden Farben fest.
„Diese Veranstaltungen leben nur, wenn auch Publikum kommt“, sagt Gabi Rudnicki, Vorsitzende der Ödön-von-Horváth-Gesellschaft. Sie erinnert an die jahrelange Kooperation von Horváth-Gesellschaft und Kunterbunt, bisher im Rahmen von Theaterprojekten. Ihr Schlusssatz „In drei Jahren sind die nächsten Horváth-Tage, und da ist Kunterbunt wieder dabei!“ wirkt bei dieser Vernissage zugleich als Einladung, Wunsch und unumstößliche Tatsache.
BARBARA JUNGWIRTH




